Die Rodenstocks waren am 5.11. an der HM

 

Dann waren sie bei uns an der Hochschule, Vater und Tochter. Von der Bürde des großen Namens war nichts zu spüren. Leichtigkeit erfüllte den Raum und wirkte ansteckend auf die rund achtzig interessierten Studierenden und Gäste. Ob Tradition und Innovation zusammenpassen wollte Prof. Sailer, der den Abend moderierte, gleich zu Anfang wissen. „Aber ja“, donnerte es von Herrn Randolf Rodenstock zurück. Jede der vier Rodenstock-Generationen habe die Tradition geachtet, aber dem Unternehmen ihre eigene Identität gegeben. Es seien gerade dadurch immer wieder Innovationen hervorgebracht worden – technische und soziale. So habe er einen völlig neuen Führungsstil eingeführt, der statt auf einer auf den Firmenpatriarchen zugeschnittenen Führungskultur auf Delegation und Eigenverantwortung setzt, aber auch in die Pflicht nimmt. Dinge, die heute üblich erscheinen, in den 80er Jahren aber einen Paradigmenwechsel bei Rodenstock bedeuteten.

“Du warst einfach zu jung”, so ein neckischer Vorwurf von Beatrice Rodenstock an Vater Randolf Rodenstock als es um die Frage einer möglichen Nachfolge durch die Tochter ging. „Authentisch sein bei dem was man tut und gemeinsame Werte mit den Gründungspartnern teilen“ war das Credo von Beatrice Rodenstock, gefragt nach ihrem Erfolgsrezept bei ihrer eigenen Firmengründung NaviGet. Sie selbst habe nach Stationen in der Beratung bei Daimler Benz und bei einer ersten Gründung im Bereich Onlinemarketing sich selbst auch erst orientieren müssen.

Im Anschluss an das spannende Doppelinterview entwickelte sich eine anregende Fragerrunde bei der es auch um die ethische Frage der Auslagerung von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer ging - so geschehen unter der Führung von Herrn Randolf Rodenstock Anfang der 90er Jahre. „Ja, glauben Sie denn ein Arbeitsplatz in Thailand ist ethisch weniger Wert als ein Arbeitsplatz in Deutschland?“, fragte Herr Rodenstock zurück. Ein berechtigter Einwand, wie ich finde, wollen wir die Globalisierung wirklich ernst nehmen.