Der „König von Burladingen“ zu Gast in München

 

Wolfgang Grupp, Inhaber der Firma Trigema und medienpräsenter Unternehmer war zu Gast in unserer Hochschule. Gleich zu Anfang seines Vortrags war klar, dass dies ein ganz besonderer Abend mit spannenden Insights werden würde. Schon der Werdegang von Herrn Grupp ist außergewöhnlich. Jahrgang 1942 studierte er nach strengen Schuljahren im Jesuitenkolleg Betriebswirtschaftslehre mit Abschluss Diplom-Kaufmann an der Universität Köln. Zwei Jahre nach seinem Abschluss trat er im Alter von 27 Jahren in das von seinem Großvater gegründete Unternehmen ein. Im Jahr 1972 im Alter von 30 Jahren übernahm er es in einer wirtschaftlich äußerst schwierigen Situation.




Es gelang ihm nicht nur, das Unternehmen binnen weniger Jahre erfolgreich zu sanieren, sondern die Firma TRIGEMA entwickelte sich zu Deutschlands größtem Hersteller von Sport- und Freizeitbekleidung. Humorig merkte Grupp an, dass dies aber gar nichts bedeute, wenn man bedenkt, dass es inzwischen keine anderen Hersteller mehr gibt in Deutschland. Von 1969 bis 2013 stieg der Firmenumsatz von 8,7 Mio. € auf 88,9 Mio. €. Während die Textil- und Bekleidungsindustrie in Deutschland die Mitarbeiterzahl seit 1970 von 850.000 auf fast 200.000 reduzierte, wurden bei TRIGEMA nicht nur Arbeitsplätze erhalten sondern allein in den letzten 20 Jahren 450 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, so dass heute bei TRIGEMA 1.200 Mitarbeiter in einer 4-stufigen Produktion – von der Stoffherstellung bis zum Endprodukt - arbeiten. Die Wertschöpfung im eigenen Unternehmen beträgt 78 % - ohne Bankkredite, mit 100 % Eigenkapital.




Sehr deutlich bekannte sich Wolfgang Grupp zum deutschen Arbeitsplatz. Unter seiner Führung hat die Firma TRIGEMA seit seinem Eintritt im Jahre 1969 weder kurzgearbeitet noch Arbeitskräfte aus Arbeitsmangel entlassen und garantiert auch heute noch den Kindern aller Mitarbeiter einen Arbeitsplatz nach deren Schulabgang. Außerdem vertritt Herr Grupp die Meinung, dass eine Produktion in Deutschland jeder ausländischen Produktion vorzuziehen ist. Voraussetzung ist allerdings, dass die qualifizierten Arbeitskräfte richtig eingesetzt, entsprechend motiviert und vor allem ihre Leistung genutzt wird.



Grupp ließ es sich nicht nehmen, auch zu allgemeinen Themen seine Position zu erläutern. In einer Mischung aus humorigen Anmerkungen und tiefen Insights bezog er klar Stellung zur allgemeinen Situation, zu managementgeführten Großkonzernen und auch zur Politik. So ist es nachvollziehbar, dass sich an den Vortrag eine lange und intensive Diskussion in vielen Einzelgesprächen anschloß. Ein spannender Abend mit einem Familienunternehmer der viele Erkenntnisse und wichtige Perspektiven eines etwas anderen unternehmerischen Handelns vermitteln konnte, ging noch lange nicht zu Ende.