SCE

SCE München 48.1538958 Heßstraße 89 +498912653200

- - - - -

DefenseTech – Innovationsmotor mit Konfliktpotenzial?

Go back

Wie sich das Bild vom Tabubereich zur Zukunftstechnologie wandelt, zeigt der rasante Aufstieg von Start-ups im Verteidigungsbereich. Zwischen Agilität, Dual-Use-Innovationen und ethischen Grauzonen entsteht ein dynamisches Ökosystem – mit vielen offenen Fragen.

DefenseTech im Aufwind – neues Spielfeld oder Spannungsfeld für Start-ups?

Noch vor wenigen Jahren war die Vorstellung, als Start-up militärische Technologien zu entwickeln, für viele Gründer:innen und Investor:innen kaum denkbar. Der Begriff „DefenseTech“ war mit einem Stigma behaftet, vergleichbar mit sogenannten „Sündenbranchen“. Doch seit dem russischen Überfall auf die Ukraine Anfang 2022 hat sich das Bild verändert – in Politik, Wirtschaft und zunehmend auch in der Start-up-Szene.

Was einst als moralisches Tabu galt, ist heute für manche Teil einer sicherheitspolitischen Notwendigkeit. Technologische Innovation gilt zunehmend als strategischer Faktor im Verteidigungsbereich. Die vielzitierte „Zeitenwende“ hat nicht nur ein Sondervermögen für die Bundeswehr ermöglicht, sondern auch neue Räume für Start-ups eröffnet, die technologische Lösungen für sicherheitsrelevante Anwendungen entwickeln – sei es im Bereich Drohnen, Cybersicherheit, Satellitentechnologie oder KI-gestützter Entscheidungsunterstützung.

Insbesondere der Ukraine-Krieg zeigt, wie militärische Innovationszyklen durch agile Akteure drastisch verkürzt werden. Entwicklungen, die früher Jahre dauerten, geschehen heute in Wochen oder Tagen – nicht selten direkt an der Frontlinie. Der Konflikt fungiert damit als eine Art ungewolltes „Real-Labor“ für militärische Innovation. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen ziviler und militärischer Technologie zusehends. Dual-Use ist nicht nur ein Konzept, sondern Realität im Feld: 3D-Drucker, kommerzielle Drohnen, Open-Source-KI und Starlink-Terminals übernehmen strategisch relevante Aufgaben.

Diese Entwicklungen werfen schwierige Fragen auf. Wie gehen wir mit einer Innovationsdynamik um, die zivile Technologie in kriegerische Wirksamkeit überführt? Wie reagieren wir auf eine Rüstungslandschaft, in der nicht mehr nur große Konzerne, sondern auch kleine, schnell agierende Start-ups zum relevanten Akteur werden? Welche Rolle spielt die staatliche Beschaffung in diesem Ökosystem – und wo bleiben demokratische Kontrolle, Transparenz und ethische Maßstäbe?

Zugleich eröffnet sich ein neues Marktumfeld: Venture Capital, das in der Vergangenheit eher einen Bogen um den Sektor gemacht hat, beginnt zu fließen. In Deutschland entstehen Digital Hubs und Acceleratoren speziell für Defense- und Security-Start-ups. Initiativen wie BASED in München versuchen, Gründende „investment ready“ zu machen – oft mit dem Selbstverständnis, einen Beitrag zur demokratischen Verteidigungsfähigkeit zu leisten.

Gleichzeitig stehen viele dieser Entwicklungen im Spannungsfeld zwischen technologischer Disruption und sicherheitspolitischer Verantwortung. Während technologische Überlegenheit zunehmend als Bedingung für militärische Wirksamkeit gilt, bleibt unklar, wie sich langfristig eine Balance zwischen Innovation, Regulierung und ethischer Orientierung herstellen lässt. Die öffentliche Debatte darüber ist bislang vergleichsweise verhalten – obwohl es um Fragen geht, die tief in gesellschaftliche Grundüberzeugungen eingreifen: Welche Technologien wollen wir fördern? Wer soll Zugang zu militärisch nutzbaren Innovationen haben? Und wer trägt Verantwortung für deren Folgen?

Wer einen tieferen Einblick zur Thematik wünscht, findet hier einen Artikel auf Starting-up.de zum DefenseTech-Report 2025 von Prof. Dr. Rafaela Kraus, Vizepräsidentin der Universität der Bundeswehr München, Initiatorin des Entrepreneurship-Centers founders@unibw und Initiatorin des DefenseTech-Hubs BASED.