Wer eine kaputte Fahrradtasche, einen undichten Bergschuh oder eine beschädigte Skijacke reparieren lassen will, braucht oft viel Zeit und Nerven. Im Email-Pingpong muss erst mühsam das Problem geklärt werden, bevor Lösung und Kosten abgestimmt werden können. Für Marken bedeutet das viel manuellen Aufwand in den sogenannten RMA-Prozessen (Return Merchandise Authorization), für Kund:innen viel Unklarheit bei einer Garantieanfrage oder einem Reparaturwunsch. Hier setzt simplysolve an. Die Software fragt nur die Details ab, die für den Fall wirklich zählen, bewertet die Anfrage nach festen Regeln und zeigt dank KI sofort den passenden Lösungsweg. Das kann eine Reparatur beim Hersteller sein, ein Termin beim Servicehändler in der Nähe oder auch ein Ersatzteil mit der passenden Anleitung zum Selbermachen.
Von BRAKEABLE zu simplysolve
Dass die Abwicklung von Serviceanfragen einmal die Kernfunktion der Software sein würde, war nicht von Anfang an klar. Am Anfang stand eine Frustration: Gründer Stefan Hauser, zuvor im Innovationsbereich der Mammut Sports Group tätig, ärgerte sich darüber, wie wenig Unternehmen aus dem Feedback ihrer Kundschaft machen. Daraus entstand BRAKEABLE, eine Plattform, über die Käufer:innen Herstellern erklären, warum sie Produkte aussortieren. In Batch #9 der SCE Incubation wurde die Idee gefördert und weiterentwickelt.
In Gesprächen mit Marken wurde dann klar, wo der größere Hebel liegt: in den Serviceanfragen selbst. Jede Reparatur- oder Garantieanfrage enthält wertvolle Produktdaten, doch die Abwicklung kostet viel Zeit. Deshalb haben Stefan Hauser und sein Mitgründer, Softwareentwickler Marc Berli, das Produkt konsequent auf diese Serviceprozesse ausgerichtet. Diese strategische Ausrichtung spiegelt sich seit Juni 2026 auch im neuen Namen simplysolve wider.
Heute arbeiten Unternehmen wie ORTLIEB, SPORT 2000, Hanwag und Penguin mit simplysolve. Für ein junges Startup sind solche Referenzen ein wichtiger Schritt, denn eine gute Lösung allein überzeugt neue Marken noch nicht zwangsläufig.
Vertrauen durch Stimmen aus der Praxis
In der Startup-Begleitung am SCE zeigt sich immer wieder: Gerade im B2B-Geschäft entscheidet Vertrauen. Bevor sich Unternehmen für eine neue Lösung entscheiden, wollen sie wissen, wie andere damit arbeiten, und echte Stimmen aus der Praxis überzeugen dabei mehr als jede Produktbeschreibung. Deshalb lässt simplysolve in Video-Interviews bestehende Kunden zu Wort kommen und hat diese nun als Teil von Fallstudien auf der Website veröffentlicht.
„Wenn Führungskräfte von ihren positiven Erfahrungen mit simplysolve berichten, schafft das Vertrauen bei anderen Entscheidungsträger:innen“, sagt Stefan Hauser. „Gleichzeitig können unsere Kunden dadurch ihre Vorreiterrolle im Kundenservice öffentlich bewerben.“
Im Highlight-Video sieht man Ausschnitte aus den Interviews mit zufriedenen Kunden von simplysolve. Es sprechen unter anderem Martin Esslinger, Geschäftsführer von ORTLIEB, und Dominik Solleder, Geschäftsführer der SPORT 2000 GmbH.
Die Fallstudien zeigen, wie unterschiedlich die Herausforderungen der Marken sind und welchen Mehrwert simplysolve bereits schafft. So zeigt die Zusammenarbeit mit dem Bergschuh-Spezialisten Hanwag, dass zwei Wochen Konfiguration reichen, um Kund:innen eine Antwort in Echtzeit zu geben, anstatt sie in Zeiten hoher Auslastung bis zu 15 Tage warten zu lassen. Die Fallstudie von ORTLIEB zeigt außerdem, dass simplysolve nicht nur der Marke selbst und den Endkund:innen nutzt, sondern auch den Händler:innen, denn der Reparaturservice bringt Kundschaft in den Laden: Je nach Entfernung lassen bis zu 50 % der Kund:innen ihre Reparatur bei einem Servicehändler vor Ort machen. SPORT 2000 wiederum macht Reparatur- und Reinigungsangebote für den Fachhandel digital zugänglich und schafft frühzeitig Kostentransparenz. Und die Skibekleidungsmarke Penguin nutzt die gewonnenen Servicedaten sogar, um ihre Produkte gezielt weiterzuentwickeln.
Alle vier Fallstudien sind online abrufbar auf simply-solve.com/de/case-studies.
Reparatur wird zum Wettbewerbsfaktor
Seit dem 27. September 2026 gelten in Deutschland die Regeln der EU-Richtlinie EmpCo („Empowering Consumers for the Green Transition“). Die Kundschaft muss damit schon vor dem Kauf transparenter über Garantie, Gewährleistung und Reparierbarkeit informiert werden. Transparenz endet aber nicht an der Kasse: Spätestens wenn ein Produkt kaputtgeht, zeigt sich, ob ein Garantie- oder Reparaturversprechen im Alltag hält. Die Fallstudien zeigen, wie das gelingt. Bei ORTLIEB entscheiden klare Regeln in Echtzeit über Garantie- und Reparaturfälle, bei SPORT 2000 sehen Kund:innen den Reparaturpreis, bevor sie den Auftrag erteilen. Die Idee, die das SCE in der Incubation gefördert hat, ist damit genau zur richtigen Zeit zu einer Lösung geworden, mit der Marken ihre Versprechen einlösen können.
Für das Strascheg Center for Entrepreneurship ist simplysolve ein Beispiel dafür, wie sich junge Unternehmen durch Kundennähe und die kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Geschäftsidee erfolgreich am Markt etablieren können.
„Wie unternehmerisches Denken funktioniert, zeigt simplysolve beispielhaft: genau hinhören, den eigentlichen Engpass finden und die Idee so lange schärfen, bis daraus eine Lösung wird, mit der Unternehmen jeden Tag arbeiten“, sagt Prof. Dr. Christian Klusmann, Leiter der Gründungsförderung am Strascheg Center for Entrepreneurship.
Die Entwicklung von simplysolve zeigt, welches Potenzial in unserem Gründungsökosystem steckt. Wir freuen uns, das Team auf einem Teil seines Weges begleitet zu haben, und sind gespannt auf die nächsten Schritte.
